Projektbeschreibung
Das übergeordnete Ziel des Projektes WIWA Retzer Land ist die Verbesserung des Windschutzes und Wasserhaushalts in der Klimamodellregion Retzer Land. Das Hauptaugenmerk liegt auf kleinräumigen Maßnahmen mittels natürlicher Landschaftselemente, die helfen, den Wasserhaushalt und das Mikroklima in der Region zu verbessern.
Anlass und Hintergrund
Das Retzer Land liegt im nördlichen Weinviertel in Niederösterreich an der Grenze zu Tschechien und ist eine der trockensten Regionen Österreichs. Es fehlt an Niederschlägen und zusätzlich verursachen starke Winde Bodenerosion. Der Klimawandel verstärkt die Trockenheit noch weiter.
Die KLAR! Retzer Land – ein Zusammenschluss von sechs Gemeinden – hat das Projekt „WIWA Retzer Land“ 2022 gestartet mit dem großen Ziel, den Niederschlag möglichst lang in der Region zu halten. Am Beginn des Prozesses standen Workshops v.a. mit Landwirt:innen, aber auch mit allgemein interessierten Bürger:innen, bei denen mehr als 200 Ideen zur Verbesserung des Wasserhaushalts und Windschutzes eingebracht wurden. Die Agrarbezirksbehörde Niederösterreich hat diese Ideen geprüft und digitalisiert sowie auch die Umsetzbarkeit und Wirksamkeit festgehalten. Seither wurden konsequent Pilotprojekte in der Region realisiert – von der Revitalisierung von Rückhaltebecken über die Umleitung von Hangwasser, Grabenanpassungen, Kaskadensetzungen bis hin zur Pflanzung von Hecken gegen Winderosion.
Ziel(e)
- Problembewusstsein für Trockenheit schaffen
- Gemeinsam mögliche Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserschutzes und gegen Winderosion erarbeiten
- Pilotprojekte als Demonstratoren umsetzen, um zur Nachahmung zu motivieren
Prozessdesign und Ablauf
- Zu Beginn des Projekts wurde ein Maßnahmenkatalog mit Anpassungsmöglichkeiten zur Verbesserung des Wasserhaushalts und ein Windschutzleitfaden erstellt. Diese Dokumente dien(t)en der Orientierung und zeigen den Nutzen von unterschiedlichen Maßnahmen auf.
- Von Gemeindevertreter:innen wurde 1 Pilotprojekt je Gemeinde festgelegt. Alle administrativen und rechtlichen Schritte wurden erfolgreich durchgeführt und auch die Finanzierung auf die Beine gestellt.
- Im Rahmen von Workshops mit Bürger:innen wurden Ideen zur Klimawandelanpassung und zu den bestehenden WIWA-Problemfeldern erhoben. Die Workshops wurden zwischen Mai und November 2022 abgehalten und insgesamt 22 Katastralgemeinden aus dem Retzer Land analysiert.
- Die Workshop-Ergebnisse wurden durch die NÖ Agrarbezirksbehörde auf Umsetzbarkeit und Wirksamkeit hin überprüft. In Gesprächen mit Bürgermeister:innen, Ortsvorsteher:innen und Expert:innen sollen weitere Projekte ausgewählt und umgesetzt werden.
Ergebnisse und (erste) Umsetzungen – Auswahl
Revitalisierung Rückhaltebecken Waitzendorf
Ein bestehendes Rückhaltebecken in Waitzendorf (Gemeinde Schrattenthal) wurde instandgesetzt und aufgewertet. Dazu wurde der wilde Bewuchs entfernt, das Auslaufbauwerk wurde saniert, die Zuläufe und Gräben ausgeräumt, um die Einleitung des Wasserstroms zu verbessern bzw. wiederherzustellen.

Umleitung von Hangwasser in alten Hohlweg in Obernalb
In Obernalb (Gemeinde Retz) wurde ein Güterweg so adaptiert, dass Niederschlagswasser nicht mehr den Weg entlang in den Graben und Bach fließt und somit aus der Region geleitet wird. Neben dem Güterweg gibt es einen nicht mehr genutzten Hohlweg, der nun als Wasserreservoir genutzt wird.

Kaskadensetzung Obernalb
Die Einläufe von einem asphaltierten Weg wurden geräumt, um das Wasser nicht am Weg abfließen zu lassen. Im Graben daneben wurden zwei Kaskaden gesetzt, um den Abfluss des Niederschlagswassers zu verzögern und somit den Wasserrückhalt zu verlängern und lokale Versickerung zu ermöglichen.
Warum es sinnvoll war, mit Beteiligung zu arbeiten
Um Maßnahmen zum Wasserschutz und gegen die Winderosion planen zu können, muss der Bevölkerung zum einen die Problematik bewusst werden. Es braucht sachliche und breit gestreute Information. Zum anderen müssen viele Menschen eingebunden werden, weil die Umsetzung der meisten Maßnahmen nicht „top down“ verordnet werden kann, sondern die aktive Mitwirkung und Mit-Verantwortung von Landwirt:innen und Bürger:innen braucht. So braucht es z. B. für den Umbau von Drainagen, um Wasser gezielt in Rückhaltebecken oder Versickerungsstrukturen zu leiten, das Einverständnis von Grundstückseigentümer:innen.
Erfahrungen zum Weitergeben / Lessons Learned
Bei der Einbindung der Bevölkerung ist gutes Erwartungsmanagement wichtig. Es entstand zum Teil ein hoher Erwartungsdruck, der nicht gleich erfüllt werden konnte, weil die Umsetzung konkreter Maßnahmen Zeit und Geld braucht. Beides ist nicht im Überfluss vorhanden.
Auftraggeber:in und Finanzierung
Auftraggeber:in des Projekts ist die Klimamodellregion Retzer Land. Die Finanzierung läuft über KLAR! und KLAR! Invest des Klima- und Energiefonds.



