Projektbeschreibung
Im Sparkling Science-Projekt „Klagenfurt wird klimaneutral – Teilhabe und Gerechtigkeit in der Stadt der Zukunft“ erforschen fünf Schulklassen aus drei Schulen gemeinsam mit Wissenschafter:innen der Universität Klagenfurt, wie die Stadt klimaneutral und gerechter werden kann. Im Rahmen ethnografischer, partizipativer Forschung übernehmen die Schüler:innen eine Doppelrolle: als unmittelbar vom Klimawandel Betroffene und als Expert:innen ihrer eigenen Lebensrealitäten. So werden konkurrierende Dringlichkeiten und wichtige Aushandlungsprozesse hinsichtlich einer klimagerechten Stadtentwicklung sichtbar.
Anlass und Hintergrund
Klagenfurt ist als einzige österreichische Stadt Teil der „EU Mission: Climate-Neutral and Smart Cities“ und verfolgt das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden. Das Projekt nimmt diesen Transformationsprozess zum Anlass, um gemeinsam mit Schüler:innen zu untersuchen, was Klimaneutralität jenseits von Zahlen und bilanziellen Kennwerten für das Leben in der Stadt bedeutet und wie eine gerechte Transition gelingen kann, die niemanden zurücklässt. Betroffen und einbezogen sind insbesondere Schüler:innen und Lehrpersonen der beteiligten Schulen, städtische Akteur:innen sowie die Stadtgesellschaft.
Initiiert wurde der Beteiligungsprozess im Rahmen von Sparkling Science durch die Universität Klagenfurt. Das kollaborative Forschungsteam umfasst das Institut für Kulturanalyse, das Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung, die beteiligten Schulklassen, das Smart Climate Lab der Stadt Klagenfurt sowie das ÖKOLOG-Netzwerk für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und Schulentwicklung.
Ziel(e)
Kinder und Jugendliche sollen als Co-Forschende eingebunden werden: Sie machen ihre Lebenswelten, Bedürfnisse und Betroffenheiten sichtbar und tragen aktiv zur Wissensproduktion zum Thema Klimagerechtigkeit bei. So wird das glokale Zusammenspiel von lokalen Alltagserfahrungen und globalen Klimafolgen erfahrbar und verständlich.
Ergebnisse werden in mehrfacher Hinsicht wirksam transferiert:
- zurück in die Stadt: Stakeholder-Workshops zu verschiedenen Themen, die durch die Forschung sichtbar wurden
- zurück an die Schule: Unterrichtsmaterialien und Impulse werden erarbeitet und über das ÖKOLOG-Netzwerk Schulen bereitgestellt
- Aufbereitung und Dissemination von Erkenntnissen zur ethnografischen, partizipativen Forschung mit Beiträgen zur empirischen Kulturwissenschaft und zur Unterrichts- und Schulentwicklung
Prozessdesign und Ablauf
Das Projekt folgt einem ethnografischen, partizipativen Design, das am Institut für Kulturanalyse entwickelt wurde. Im Rahmen von Workshops an Schulen werden Schüler:innen zu Co-Forschenden und erheben in ihren Lebenswelten Daten zu Klimaneutralität und Gerechtigkeit. Dafür wenden sie verschiedene Methoden, wie Forschungstagebücher, Beobachtungen, Mappings, Interviews und Fotos an. Teile der Daten werden partizipativ mit den Schüler:innen analysiert, unter anderem durch gemeinsame Thematisierung, Codierung und Validierung der Befunde. Dieser Prozess wird vom Smart Climate Lab der Stadt Klagenfurt unterstützt und vom Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung maßgeblich begleitet; die Ergebnisse fließen in die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien ein.
Der Prozess verläuft iterativ in Zyklen aus Erheben, gemeinsamer Auswertung und Rückspiegelung in die Stadt. Ergebnisse werden in Stakeholder-Workshops geprüft, priorisiert und in Empfehlungen sowie Unterrichtsmaterialien überführt.


Ergebnisse und (erste) Umsetzungen
Das Projekt wurde für den Sustainability Award des BMWFW und des BMLUK in der Kategorie „Forschen“ nominiert; der Award wird am 9. Juni 2026 verliehen.
Eine beteiligte Klasse entwickelte im Rahmen unserer Workshops ein Projekt mit dem Titel: „Spray for Future“ für den Ideenwettbewerb zum Klimafonds der Stadt Klagenfurt. Dieses wurde von der Jury als eines der Siegerprojekte ausgewählt und konnte bereits umgesetzt werden.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen eine deutliche Wissens-Handlungs-Lücke: Zwar ist viel Wissen zu Klimawandel und Klimagerechtigkeit vorhanden, doch es befähigt Jugendliche nicht automatisch zum Handeln. Viele fühlen sich überfordert und ziehen sich aus öffentlichen Debatten zurück, was besonders am Phänomen der Hitze sichtbar wurde. Aus dieser Diagnose heraus wurde ein Policy Brief mit dem Titel „Hitze, Sommer, Einsamkeit – Handlungsempfehlungen für eine zukunftsfitte Stadt“ verfasst.
Warum es sinnvoll war, mit Beteiligung zu arbeiten
Ein konkreter Mehrwert liegt bei den Schüler:innen: Sie haben Klimagerechtigkeit überhaupt erst als Thema wahrgenommen und als Aushandlungsprozess verstanden, eigene Fragen entwickelt und mit kleinen, kreativen Projekten, wie „Spray for Future“, Wirkung erlebt. Das stärkt ihre Selbstwirksamkeit und führt ihnen vor Augen, wie sie ihre Anliegen vertreten und einbringen können.
Für die Forscher:innen ermöglicht der Prozess dichte, alltagsnahe Einblicke in eine Vielfalt an Lebensrealitäten in der Stadt, die im Diskurs um Klimagerechtigkeit oftmals nicht beachtet werden und als empirische Grundlage des kulturanthropologischen Nachdenkens über Ungleichheit in der Gesellschaft dienen.
Zudem werden Methoden entwickelt, die sich während der Forschung als besonders geeignet erwiesen haben und sich auf weitere Projekte sowie auf die Unterrichts- und Schulentwicklung übertragen lassen.
Für die Stadt wurden durch die Beteiligung der Schüler:innen wichtige Ergebnisse ersichtlich, die in weitere Folge gezielt kommuniziert werden. Dies soll in Form von Stakeholder-Workshops an den beteiligten Schulen erfolgen, in denen die Ergebnisse an zentrale Entscheidungsträger vermittelt werden.
Ein weiterer konkreter nächster Schritt mit direktem Nutzen: Das Preisgeld des Sustainability Award geht an die beteiligten Klassen, damit sie eigene Ideen kurzfristig umsetzen können. So entsteht Wirkung dort, wo sie jetzt realisierbar ist.
Erfahrungen zum Weitergeben / Lessons Learned
Die ethnografische, partizipative Forschungshaltung lässt sich im Schulkontext nur begrenzt reibungslos umsetzen. Sie erfordert Zeit, Offenheit und die Bereitschaft der Lehrkräfte, sich auf ergebnisoffene Prozesse einzulassen und Irritationen auszuhalten. Im Zentrum stehen nicht die Reproduktion von Wissen, sondern das gemeinsame Entwickeln von Fragestellungen und das Knüpfen von Beziehungen zum Forschungsfeld. Beides ist zeitintensiv und kollidiert häufig mit der vorherrschenden Schullogik von Curricula, Taktung und Bewertungsroutinen. Wo diese Rahmenbedingungen geschaffen werden, entstehen tiefere Einsichten, gesteigerte Selbstwirksamkeit und tragfähige Brücken zwischen Unterricht und Lebenswelt.
Auftraggeber:in
OeAD
Prozessbegleitung und -beratung
Ideenwerkstatt nonconform
Kosten und Finanzierung
Das Projekt wird durch den OeAD über die Förderschiene „Sparkling Science“ finanziert.
Links
Ansprechpartner:in
Aurelia Wolf
Universitätsstraße 65 – 67
9020 Klagenfurt



