Projektbeschreibung
Der DORFPLATZ St. Andrä-Wördern ist ein Ort der Möglichkeiten und des Miteinanders, an dem Menschen gemeinsam arbeiten, Freizeit und Kultur genießen können. Es ist ein zentral gelegener alter Gutshof, der wiederbelebt wurde. Er beherbergt verschiedene Handwerker:innen, Künstler:innen, ein Fahrradgeschäft, ein Gemeinschaftsbüro mit CoWorking, eine Praxis, die Kunstarkaden und den Gastronomiebetrieb Hofküche. Ganzjährig gibt es ein vielfältiges Kulturangebot für alle Generationen.
Der DORFPLATZ ist ein sogenannter Dritter Ort: Es gibt einen Fairteiler, eine Foodcoop, einen Offenen Bücherschrank mit Spielen, einen kostenlosen Fahrradanhängerverleih, einen kleinen Spielplatz, monatliche Repair Cafés, Sospeso-Aktion für Geflüchtete und Bedürftige und vieles mehr.
Anlass und Hintergrund
St. Andra-Wördern ist eine Katastralgemeinde mit ca. 9.000 Einwohner:innen, die aufgrund von Zusammenlegungen kein wirkliches Zentrum hat und stark zersiedelt ist. Die Lage im Großraum Wien macht sie außerdem zu einem Zuzugsort. Es gab seitens der Gemeindevertretung wenig aktive Maßnahmen für ein Miteinander von Alteingesessenen und Zugezogenen. Es fehlte an Plätzen und neutralen Orten zum unkomplizierten Austausch, zum Voneinander-Lernen und Miteinander-Arbeiten. Und es gab wenig Kulturangebot. All das nährte den Wunsch, gemeinschaftlich an einem zentralen Ort Arbeit, Freizeit und Kultur zu ermöglichen.
Bereits 2003 startet der Verein Grenzenlos mit gemeinsamen Kochabenden mit Menschen aus mehr als 70 Nationen in St. Andrä-Wördern. Seither verbindet der Verein Grenzenlos Menschen unterschiedlicher Herkunft nicht nur beim Kochen sondern bei zahlreichen multikulturellen und sozialen Aktivitäten.
2011 wurde von 8 bis 10 Personen das Nachhaltigkeits-Projekt „KulturLandSchaffen“ mit dem Schwerpunkt Verbundenheit organisiert (unterstützt bzw. gefördert von der Dorf- und Stadterneuerung). In Folge sind einige der eingebundenen Vereine, wie z.B. Grenzenlos, Unternehmer:innen, Dienstleister:innen, Initiativen und Einzelpersonen in engerem Austausch und Kontakt geblieben. Gemeinsam wurde in Richtung Co-Working und Co-Making, also projektübergreifende Zusammenarbeit von Handwerker:innen, Künstler:innen und Dienstleister:innen visioniert. Fast alle dieser Gruppe sind Mit-Initiator:innen vom Verein Dorfplatz und noch immer in der einen oder anderen Art eingebunden.
Als dann mehr oder weniger zufällig ein passender Leerstand in Form eines sehr sanierungsbedürftigen Gutshofs mitten im Ort entdeckt wurde, gründete 2015 eine engagierte Gruppe den VEREIN DORFPLATZ, um in diesem ehemaligen Gestüt/Gutshof ein Zentrum für Kooperatives Wirtschaften und einen lebendigen Treffpunkt für alle Generationen zu ermöglichen.
Ziel(e)
- Gemeinwohlorientierte Nutzung von Räumen und Plätzen im Ortskern
- Leerstandnutzung, Belebung und Schaffung von Arbeitsplätzen durch Ansiedlung von Handwerker:innen, Räume für Künstler:innen, Kulturangebote usw.
- Kleine leistbare Räume und geteilte Infrastruktur
- Schaffung eines zentralen Begegnungsortes („Dritter Ort“) außerhalb von Zuhause und Arbeitsplatz, an dem Menschen ohne Konsumzwang zusammenkommen, sich austauschen und wohlfühlen können.
- Aufbau eines sozioökonomischen Zentrums zur Stärkung des gemeinschaftlichen Lebens und der lokalen/regionalen Wirtschaft in St. Andrä Wördern.
- Förderung von Kreativität, Austausch und nachhaltigem Arbeiten, insbesondere im Bereich Kunst Handwerk, Kultur, Soziales und regionale Wirtschaft (Foodcoop, Repair Café, regionale Produkte etc.).

Prozessdesign und Ablauf
Bei der Gründungs- und Auftaktveranstaltung Ende 2014 wurde mit Interessierten erarbeitet, was alles in dem leerstehenden Gutshof umgesetzt werden könnte. Im April 2015 wurde der Verein DORFPLATZ St. Andrä-Wördern gegründet und ein erster Finanzierungsplan, mögliche Förderungen und Etappenziele besprochen. Zahlreiche Gespräche mit dem Immobilienbesitzer fanden statt, Kooperation und Mietvertrag wurde vereinbart.
Partner:innen, wie zum Beispiel ein Architekturbüro, wurden gesucht und gefunden, Firmen für die Sanierung angefragt und Projekteinreichungen für Fördergelder geschrieben. Zu all diesen Schritten wurden Arbeitsgruppen, – teams und Kreise (Soziokratische Struktur) ins Leben gerufen. Regelmäßige Arbeitstreffen fanden teilweise wöchentlich statt, Schnittstellen wurden geklärt und konkrete Entscheidungsstrukturen sowie Verantwortungsbereiche konsentiert.
Es gab immer wieder Austausch mit ähnlichen Projektgruppen in anderen Bundesländern.
Mit Begleitung vom Architekturbüro AWG und in Folge mit ViA Architektur ZT (Johanna Aufner und Alexander Mayer) wurden mögliche spätere Nutzer:innen eingebunden und zu ihren Wünschen und Bedürfnissen befragt. Es gab Stakeholder-Workshops mit verschiedenen Vereinen und Initiativen und informelle Gespräche, z. B. mit Vertreter:innen vom Seniorenbund und Pensionist:innenverein sowie mit dem Jugendzentrum und Schulen, um über die Möglichkeit der Einbindung von Jugendlichen zu sprechen (Skatermöglichkeiten, Bolderwand, frei verwalteter Raum etc.).
Es wurde die Entscheidung getroffen, die gesamte Koordination, alle Formalitäten, Förderungen, Einreichungen bei der Baubehörde usw. als Verein zu machen und die zukünftigen Nutzer:innen als Untermieter:innen eng einzubinden. Für die nötigen Sanierungs- und Adaptierungsarbeiten wurde festgelegt, wie viele Arbeitsstunden jede:r selbst einbringt.
Aufgrund einer Fördermöglichkeit und den immer größer werdenden finanziellen Dimensionen war es nötig, dass der Verein auch eine rein wirtschaftliche Rechtsform vorweisen kann. Daher kam es 2016 zur Gründung der Dorfplatz GmbH, deren alleiniger Gesellschafter bis heute der Verein ist. (Geprüft wurde auch die Gründung einer Genossenschaft, mit der wäre aber zum damaligen Zeitpunkt der Fördercall nicht möglich gewesen). 2024 erfolgte die Abänderung in die Dorfplatz FlexCo.

Ergebnisse und (erste) Umsetzungen
Es wurde gemeinsam das zukünftige (und somit jetzige) Nutzungskonzept im Detail erarbeitet, die Finanzierung auf die Beine gestellt und alle nötigen Formalitäten eingehalten – das gelang nur durch Schwarmintelligenz und durch mutiges, kreatives und visionäres Miteinander einer diversen Gruppe.
Durch das gemeinsame Entwickeln, Bauen, Sanieren, sich Herausforderungen stellen, Feiern, sich über Zwischenziele freuen und vielem mehr war bei allen Beteiligten, egal in welchem Kreis und mit welcher Teilaufgabe betraut, eine hohe Identifikation mit dem Gesamtprojekt gegeben.
Warum es sinnvoll war, mit Beteiligung zu arbeiten
Durch das Zusammenspiel einer interdisziplinären, heterogenen Gruppe, die den Verein Dorfplatz und seine FlexCo ausmacht, profitieren die Bewohner:innen der Marktgemeinde: Sie finden ein vielseitiges niederschwelliges Angebot, einen Dritten Ort vor mit Sandkiste, Tischtennis, Kinderfahrzeugen über Foodsaver, Fahrradanhängerverleih, Bücherschrank bis hin zu Dienstleistungsangeboten, alter Handwerkskunst und Kulturangeboten. So entsteht echte Begegnung, Austausch, Teilnahme und gegenseitige Unterstützung.
Wir waren und sind gemeinsam mehr als die Summe unserer Teile.
Erfahrungen zum Weitergeben / Lessons Learned
Die bunte Mischung in einer Initiativgruppe bzw. der Akteur:innen im Beteiligungsprozess macht´s aus. Es braucht die Skeptischen, die Optimist:innen, die Visionär:innen, die Projekterfahrenen, die Unerfahrenen, die Alten und die Jungen.
Es braucht die Betroffenen und jene, die nicht unmittelbar betroffen sind, um zu koordinieren, zu unterstützen.
Es braucht Vertreter:innen verschiedener Berufsgruppen, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen für ein zu findendes gemeinsames Ziel/Projekt einbringen.
Auftraggeber:in
In unserem Fall gibt es keine Auftraggeber:innen. Die Initiator:innen sind auch die Beteiligten und die Durchführenden, teilweise sind sie auch selbst Nutzer:innen und/oder Darlehensgeber:in.
Prozessbegleitung und -beratung
Architekturbüro AWG
ViA Architektur ZT (Johanna Aufner und Alexander Mayer)
Kosten und Finanzierung
Der Beteiligungsprozess, sämtliche Projektentwicklung und -koordination sowie Vernetzungsarbeit wurde ehrenamtlich erbracht. Punktuell wurden externe Expert:innen (Architekturbüro) für partizipative Prozessarbeit zugezogen und bezahlt – wiewohl nur mit Beträgen die eher einer Aufwandsentschädigung entsprechen und keinem branchenüblichen Honorar.
Publikationen und Links zu diesem Verfahren
Downloads zum Thema
Ansprechpartner:in
Barbara Oberndorfer
Josef-Karner-Platz 1
3423 St. Andrä-Wördern



